Betriebsausflug vom Goldwing-Center oftringen in die USA

 

Gute Kontakte soll man pflegen und neue findet man selten zu Hause. Darum machte das Team vom GW-Center eine Reise vom Norden in den Süden der USA. Gelandet sind wir auf dem JFK Airport in NewYork, der uns mit Regen und kalten Temperaturen empfangen hat. Quer durch den Big Apel mit U-Bahn, Bus und Taxi  bis zu unserem Startort etwas ausserhalb von NewYork. Nach der ersten schlaflosen Nacht, (jet-leg), konnten wir kaum warten bis wir unsere ersten beiden Goldwing`s  bei der Firma Moturis abholen durften. Nachdem das ganze Gepäck verstaut war und wir uns warm eingepackt hatten, ging`s endlich Richtung Boston. In der Zwischenzeit hat der Regen zwar aufgehört, die Temperaturen waren jedoch kaum über Null Grad.  Nach ca. 5 Stunden Freeway 95 trafen wir im Headquater der Firma Moturis in Bosten ein. Hier erwartete uns auch schon der Geschäftsführer Martin Stucki mit den anderen beiden Motorrädern. Eine weitere GL 1800 und eine Rune hatten wir uns für die Reise ausgesucht.

 

Natürlich durften wir nicht losfahren ohne bei Martin im Stammlokal allen anwesenden unsere Reisepläne zu erläuterten, sämtliche Getränke durchprobiert hatten und die halbe Speisekarte auswendig kannten. Versteht sich, dass wir danach erst mal eine Nacht ausschlafen mussten. In aller Frühe, ca. 10.00 Uhr, ging’s dann Richtung Buffalo zu den Niagara Falls. 720 km bei Sonnenschein während dem Indian Sommer durch die Wälder von Massachusetts Vermont und New York. Ich fühlte mich wie Tom Sawyer und Huckleberry Finn, ein paar Jahre vor uns. Die grossen Niagara Falls erreichten wir gegen Abend und beobachteten das Lichterspiel dass die Amis für die Touristen jeden Abend an die Falls projezierten. Das Nachtessen im Hard Rock Kaffe war für Mund und Augen ein Fest.

 

Die nächste Station auf unserer Reise war Marysville in Ohio. Ja genau die Godwing Geburtsstätte. Home of Honda American Motorcycle Plant. Aus früheren Reisen wusste ich, dass es nur an zwei Wochenenden Führungen durch das Werk gab und das keines davon auf unser Reisedatum viel. Trotzdem, dabei sein ist alles…. Nach einigen Stunden Disskusionen mit den Honda Technikern im Besucherpavillon erhielten wir einen guten Eindruck über die Organisation und Entwicklung der neuen Goldwing. Da jedoch die Produktion wegen Umstellungen der Fliessbänder zurzeit still stand, beliessen wir es dabei.

 

On the Road again, I 95 south durch die Millionenstadt Cincinnati nach Knoxville. Meine drei Begleiter machten sich Sorge um die Bereifung der Goldis, dass diese durch die vielen Autobahn Kilometer nur in der Mitte abgenützt würden und wir doch die ganze Lauffläche brauchen sollten. Ich verstand den Wink mit dem Zaunpfahl und lenkte Richtung Great Smoky Mountans. Es folgte ein zweitägiges aneinandergereites Kurventraining im Schweizer Voralpen Style, jedoch mit amerikanischen Grössenverhältnissen. Unser Grinsen wurde schon fast zum Jauchzen, lagen die Temperaturen mittlerweile doch schon deutlich über 20 Grad. Der Asphalt klebte unter dem Gummi und nur die Fussrasten begrenzten die Geschwindigkeit auf den meist leeren Nebenstrassen.  Wir verloren schon fast unser Reiseziel aus den Augen, wenn uns das GPS nicht wieder auf den Boden geholt hätte und uns den Weg Richtung Florida zeigte.

 

Nach Kentucky, Tennessee, Alabama, North und South Carolina über Georgia kamen wir der Küste entlang nach Jacksonville in Florida. Hier machten wir einen Abstecher zu einem alten Bekannten und besuchten die Firma Honda of Jacksonville. Einer der grössten Honda Dealer in den USA, man könnte erblassen vor Neid… Bei der Gelegenheit besorgten wir uns schnell ein paar neue Bremsbeläge für eine unserer Goldi`s, da diese ziemliche Ermüdungserscheinungen zeigte - ob es doch etwas zu viele Berge wahren?

 

Es waren mittlerweile schon sechs Tage vergangen seit unserem Start in Boston und wir wollten das Wochenende am Biktoberfest in Daytona verbringen. Das zweitgrösste Biker Treffen nach der Bike Week an diesem berühmt berüchtigten Küstenort. Ca. 80`000 Biker davon etwa 90% Harleys, der Rest Goldwings, machen einen gewaltigen  Lärm (vor allem die Harleys). Friedlich nebeneinander die Mainstreet entlang Crusen, das Tächlikäppi auf dem Kopf, die Sonnenbrille im Gesicht und die Chiks studieren. Ich geniesse die Goldwing Treff`s in Europa, aber einmal im leben muss ein Motorradfahrer nach Daytona. Oder wie die Amis sagen, Wellkom home.

 

Genug von Bier, Bikes und Girls machen wir einen Abstecher ins Nahe gelegene Orlando mit seinen riesigen Vergnügungsparks. Doch unser Reiseziel Miami ist nicht mehr weit. Nur ein kleiner Hurrikan namens Wilma kann uns noch einwenig bremsen. Am Montag früh sollten wir in Miami unsere Motorräder bei einer Spedition abgeben. Da jedoch der Südliche Teil von Florida unter Hurrikan Warnung stand und die Florida Keys schon evakuiert wurden, beschlossen wir kurz nach Mitternacht aufzubrechen. Die Ausläufer von Wilma waren schadlos über Orlando gezogen und wir starteten ohne Regenkleider Richtung Miami. Doch knapp 400 km südlich war alles dunkel. Der grösste Teil der Stadt ohne Strom. Viele entwurzelte Palmen, heruntergerissene Leitungen und umher liegende Dachteile versperrten uns einige male den Weg. Eine gespenstische Ruhe lag in der Luft, dazwischen umherschleichende Gestalten und jede menge patrulierende Cops. Ein freundlicher Sheriff fragte nach unserem vorhaben. Als ich ihm erklärte, dass wir die Motorräder im Containerterminal abliefern sollten und um acht Uhr unser Flug nach Hause starten wird, begann er laut zu lachen. Er riet uns ihm zu folgen damit er uns an einen sicheren Ort bringen konnte, wo wir bis zum Morgengrauen warten sollten. Ansonsten könne er nicht für unser überleben garantieren. Ausserdem würden in der nächsten Zeit wohl keine Flugzeuge von Miami oder Umgebung starten. Einen Klugen Rat sollte man befolgen. Am nächsten Morgen sahen wir dann die Zerstörung, die Wilma angerichtet hatte und unsere Reise verlängerte sich so um zwei Tage. Nach knapp 4000 km im Sattel der Wing hatten wir vier eine wunderbare Zeit. Wir lernten neue Freunde kennen, pflegten die Bestehenden Bekanntschaften und wissen alle: Wee see you again.

 

Peter Bohren